„Im Oktober werde ich ein Wunder wirken, damit alle glauben“

Am 13. Oktober 1917 geschah das „Sonnenwunder von Fatima“, das nicht nur Portugal erschütterte. Am 100. Jahrestag ihres spektakulären Finale erreichen die 100-Jahr-Feiern der Marienerscheinungen von Fatima einen letzten Höhepunkt. Hier der Beitrag zum Abschluss des Fatima-Gedenkjahres von Andreas Kuhlmann.

Über die Muttergottes
Opus Dei - „Im Oktober werde ich ein Wunder wirken, damit alle glauben“

Lucia als Wortführerin der drei Seherkinder hatte die Muttergottes mehrmals um ein Zeichen gebeten, damit die Menschen endlich glaubten, was Maria bei ihnen bei den Erscheinungen in vorangegangenen Monaten seit Monaten gesagt hatte. Im Kern war es immer wieder ein Aufruf zur Umkehr. Am 13. September 1917 teilte Maria den Seherkindern mit, dass sie am 13. Oktober ein Wunder wirken würde, „damit alle glauben“.

Diese Worte der Mutter Jesu und Botschafterin Gottes für die Menschheitsfamilie müssen im Kontext der Zeitgeschichte gesehen werden: Der Erste Weltkrieg mit seiner sinnlosen Gewalt hatte schon Millionen Tote gefordert, die Oktoberrevolution der russischen Kommunisten mit einer gezielten und gewaltsamen Verbreitung ihrer glaubensfeindlichen Ideologie stand kurz bevor, und eine atheistische Verfassung und Regierung der Portugiesischen Republik (1910–1926) sorgte dafür, dass Kirchen geschlossen und der christliche Glaube mit dem Ziel zurückgedrängt wurde, das Christentum zu beseitigen.

Es war für die Kirche und die Bürger Europas ein sehr kritische Phase, als Gott ein Ereignis wirkte, dass zu einem geistig-geistlichen Erdbeben führte. Es ist als „Sonnenwunder von Fatima“ bekannt und vielfach dokumentiert: Es geschah in Anwesenheit von rund 70.000 Menschen, die der Ankündigung gefolgt waren: Teils aus bloßer Neugier, teils mit skeptisch-kritischer Einstellung, teils in gläubiger Erwartung. Was dann am 13. Oktober bei einer Steineiche in der sogenannten Cova da Iria nahe Fatima in Portugal geschah, geben Hunderte von protokollierten Zeugnissen als ein einmaliges Ereignis wieder.

Der sehenswerte Dokumentarfilm „Das große Finale“ von Max Kronawitter zeigt anhand von Zeugenaussagen und zahlreichen Fotografien, die Journalisten von der ergriffenen, zum Himmel blickenden und in die Knie gesunkenen Menschenmenge gemacht haben. Es ist war spirituelle Erfahrung, die den menschlichen Erfahrungshorizont überstieg. Heiner Koch, der Erzbischof von Berlin, hat es so aus drückt: „Die Kinder von Fatima sahen tiefer und weiter und nahmen damit teil an der weiten Sicht des Glaubens der Mutter Gottes, die ihnen erschien. Ihr Horizont war nicht begrenzt auf das, was offensichtlich vor ihren Augen lag. Ihr Lebens- und Erfahrungshorizont war weiter als der des Menschen, für den die Fakten der Naturwissenschaften und einer ergreifbaren und fassbaren Geschichte alles ist. Für sie, wie für alle Christen, gab und gibt es eine größere Realität, wie sie etwa im Sonnenwunder deutlich wurde: Es gibt ein Licht in unserer Geschichte, es gibt einen Gott, der über alles menschlich begrenzte Wahrnehmen weit hinausgeht und dieses trägt und umfängt.“ (Die Tagespost, Sonderbeilage Nr. 24, S. 3).

Angesichts einer dunklen und pessimistischen, materialistischen oder atheistischen Sichtweise der Welt, in der viele Zeitgenossen damals wie heute gefangen sind, „führt der christliche Glaube in die Weite des Sehens“, schreibt Koch und ergänzt: „Er sieht in allem Gott und sein Wirken. Er sieht, dass die Geschichte, auch mit ihren dunklen Seiten, letztlich Teil der Heilsgeschichte Gottes ist.“ Das Sonnenwunder als übernatürliches Hoffnungszeichen – ein Ereignis, das die Kirche daher als Wunder anerkannt hat.

Gott ist die Welt nicht egal. Er kümmert sich um das Schicksal der Menschen. Dafür ist er durch Maria Mensch geworden, dafür lehrte und heilte Jesus Christus die Menschen, dafür starb er und erstand er vom Tode, dafür verkündete er den Jüngern vor seiner Himmelfahrt, dass er am Ende der Zeiten wiederkehren wird. Inzwischen hat er uns mehrfach seine Mutter geschickt. So war und bleibt auch das Sonnenwunder von Fatima eine Art vertrauensbildender Maßnahme Gottes für den modernen Menschen, damit er glaubt und das ewige Leben erlangt.

Der heilige Josefmaria hat Fatima seit den 40er Jahren mehrfach aufgesucht, um den Rosenkranz zu beten, wie Maria dort so dringend empfohlen hatte. Einige Male besuchte er Schwester Lucia aus gemeinsamer Sorge um die Seelen. Auch uns können die Ereignisse von Fatima die sorgende Liebe Mariens für alle Menschen vor Augen führen, besonders im Rosenkranzmonat Oktober und uns wie die Seherkinder, den heiligen Josefmaria und unzählige Christen in diesen 100 Jahren vertrauensvoll zum Rosenkranz greifen lassen.