Das habt ihr mir getan - Die Werke der leiblichen Barmherzigkeit

In diesem Beitrag geht es um die leiblichen Werke der Barmherzigkeit. Ein Christ kann die Be-dürfnisse anderer nicht ignorieren. Auch nicht derjenigen, die ihm fremd sind, denn in ihnen ruft Christus nach Hilfe.

Barmherzigkeit
Opus Dei - Das habt ihr mir getan - Die Werke der leiblichen Barmherzigkeit

Unser Gott hat sich nicht darauf beschränkt zu sagen, dass er uns liebt. Er selbst hat uns geformt aus dem Staub der Erde[1]; „es waren Gottes Hände, die uns geformt haben: Gott als Handwerker“[2]. Er schuf uns nach seinem Bild und Gleichnis, und er wollte sogar „einer von uns“[3] werden: Und so ist das Wort Fleisch geworden. Er hat mit seinen Händen gearbeitet, hat auf seine Schultern die ganze Last der Jahrhunderte geladen und hat für alle Ewigkeit die Wunden seiner Passion behalten wollen als Zeichen seiner getreuen Liebe. Daher kommt es, dass wir Christen uns nicht nur Kinder Gottes nennen, sondern es auch sind[4]. Für Gott und für seine Kinder „kann die Liebe nie ein abstrakter Begriff sein. Aus ihrer Natur heraus ist sie stets konkrete Wirklichkeit: Absichten, Einstellungen und Verhalten, die sich im tagtäglichen Handeln bewähren“[5]. Der hl. Josefmaria warnte vor jenen, die im Christsein nur ein Bündel von Andachten oder Frömmigkeitsübungen sehen, ohne zu begreifen, dass es die Situationen des täglichen Lebens, ein Gespür für die Not der anderen und die Beseitigung der Ungerechtigkeit einschließt. Mir scheint, dass Menschen mit dieser Mentalität noch nicht begriffen haben, was es bedeutet, dass der Sohn Gottes Mensch geworden ist, dass er Leib, Seele und Stimme des Menschen angenommen und unser Los bis zur letzten Zerreißprobe des Todes geteilt hat[6].

Zur Barmherzigkeit berufen

In der Szene des Jüngsten Gerichts, die Jesus im Evangelium vorstellt, fragen die Gerechten als auch die Ungerechten erstaunt – sowohl sich selbst wie auch den Menschensohn, wann sie ihn hungrig, nackt, krank gesehen und ihm geholfen haben oder nicht[7]. Der Herr antwortet: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.[8] Das ist keine schöne Redeweise, als wollte der Herr uns nur anregen, an ihn zu denken und seinem Beispiel der Barmherzigkeit zu folgen. Jesus sagt feierlich: Amen, ich sage euch das habt ihr mir getan. Er „hat sich auf gewisse Weise mit jedem Menschen vereint“[9], ja, er hat die Liebe bis zum Ende gelebt: Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.[10] Christsein heißt, in diese Bedingungslosigkeit der Liebe Gottes einzutreten, sich fangen zu lassen von der „immer größeren Liebe Gottes“[11].

In diesem Abschnitt des Evangeliums spricht Christus von Hunger, Durst, Fremdheit, Nacktheit, Krankheit und Gefängnis[12]. Bei den Werken der Barmherzigkeit geht es um dieselben Themen, die die Kirchenväter häufig kommentierten. Sie unterschieden bald zwischen leiblichen und geistigen Werken der Barmherzigkeit, ohne damit natürlich alle Situationen der Bedürftigkeit erfassen zu wollen. Im Lauf der Jahrhunderte wurde den ursprünglichen Werken der Barmherzigkeit die Pflicht hinzugefügt, die Toten zu bestatten und das dazugehörige geistige Werk, das Gebet für die Lebenden und die Verstorbenen. In den folgenden beiden Artikeln wollen wir diese Werke besprechen, in denen die christliche Weisheit unsere Berufung zur Barmherzigkeit zusammengefasst hat. Denn es handelt sich um eine Berufung – eine allgemeine Berufung –, wenn Christus zu seinen Jüngern aller Zeiten sagt: Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist.[13] Die Werke der Barmherzigkeit entfalten vor uns den Inhalt dieser Berufung. „Es wäre schön, wenn ihr sie auswendig lernen würdet – empfahl der Papst neulich – dann ist es leichter, sie auch zu tun!“[14]

Solidarität

Wenn wir über die Werke der leiblichen Barmherzigkeit nachdenken und in unsere Umgebung schauen, meinen wir vielleicht im ersten Augenblick, dass es nicht viele Situationen gibt, in denen wir sie üben können. Vor Jahrhunderten war das menschliche Leben viel öfter den Kräften der Natur, der Willkür der Menschen und der Schwäche des Körpers ausgesetzt. Heute hingegen gibt es viele Länder, in denen es – außer in Notsituationen oder bei Naturkatastrophen – nicht unmittelbar nötig ist, einen Toten zu begraben oder jemanden zu beherbergen, weil staatliche Organisationen diese Dienste übernehmen. Und dennoch existieren viele Orte auf dieser Erde, an denen jedes dieser Werke der Barmherzigkeit an der Tagesordnung ist. Sogar in den hochentwickelten Ländern gibt es trotz der funktionierenden sozialen Dienste so manche Situationen großer materieller Not – die sogenannte vierte Welt. Wir alle müssen uns dieser Wirklichkeit bewusst werden und überlegen, wie wir dazu beitragen können, die Not zu lindern. Wir müssen die Augen offenhalten und umherschauen, um den unaufhörlichen Anruf Gottes wahrzunehmen, den er durch die Menschen, die uns umgeben, an uns richtet. Die Menschen dürfen uns nicht gleichgültig sein; wir dürfen uns nicht einschließen in unserer eigenen kleinen Welt. So hat Jesus nicht gelebt. Immer wieder spricht das Evangelium von seiner Barmherzigkeit, von seiner Fähigkeit, am Leid und an den Bedürfnissen seiner Mitmenschen Anteil zu nehmen.[15]

Die erste Forderung der leiblichen Werke der Barmherzigkeit betrifft die Solidarität mit allen, die leiden, selbst wenn wir sie nicht kennen. Wir sind nicht nur besorgt wegen der Probleme jedes Einzelnen, sondern wir solidarisieren uns voll und ganz mit den anderen Bürgern in den allgemeinen Katastrophen und Notlagen, die uns genauso nahegehen.[16] Auf den ersten Blick könnte es scheinen, dass diese Haltung zwar lobenswert, aber nutzlos ist. Doch die Solidarität ist der humus, auf dem die Barmherzigkeit sich voll entfalten kann. Sprachlich abgeleitet vom lateinischen solidum bezeichnet Solidarität die Überzeugung, einem Ganzen anzugehören, was dazu führt, dass wir die Nöte der anderen als unsere eigenen betrachten. Auch wenn dieser Begriff schon im rein Menschlichen bedeutsam ist, so entfaltet er für den Christen seinen ganzen Sinn. Ihr gehört nicht euch selbst[17], schreibt der hl. Paulus den Korinthern. Diese Aussage könnte den heutigen Menschen erschrecken und als Bedrohung seiner Autonomie empfunden werden. Aber eigentlich sagt sie uns nur mit einem Ausdruck, den die letzten Päpste häufig gebrauchten, dass die Menschheit, insbesondere die Kirche, eine „große Familie“[18] ist.

Die Bruderliebe soll bleiben… Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib[19]. Wenn es auch nicht möglich ist, um die Leiden jedes Menschen zu wissen, geschweige denn, überall Abhilfe zu schaffen, darf der Christ ihnen gegenüber nicht gleichgültig sein, weil er mit dem Herzen Gottes liebt. Gott ist größer als unser Herz, und er weiß alles[20]. Wenn wir in der Hl. Messe den Vater bitten: „Stärke uns durch den Leib und das Blut deines Sohnes und erfülle uns mit seinem Heiligen Geist, damit wir ein Leib und ein Geist werden in Christus“[21], schauen wir auf die Fülle dessen, was schon eine Wirklichkeit ist, die leise wächst „wie ein Wald, in dem die Bäume Solidarität, Verbindung, Vertrauen, Stütze, Sicherheit, dankbare Nüchternheit und Freundschaft bedeuten“[22].

Die eigentlich christliche Solidarität konkretisiert sich also an erster Stelle im Gebet. Der Vater hat uns oft daran erinnert für die zu beten, die leiden, wenn wir davon erfahren. Meistens werden wir die Früchte dieses Gebets – das auch Arbeit und Opfer beinhaltet – nicht sehen, aber wir sind gewiss: „All das kreist um die Welt als eine lebendige Kraft“[23]. Aus diesem Grund enthält das Römische Messbuch eine große Zahl an Messen für die verschiedensten Anliegen, die Anlässe für alle Werke der Barmherzigkeit berücksichtigen. Die Fürbitten am Ende des Wortgottesdienstes wecken in uns die Sorge für alle Gemeinden[24] und für alle Menschen, so dass wir mit dem hl. Paulus sagen können: Wer kommt zu Fall, ohne dass ich von Sorge verzehrt werde? Wer leidet unter seiner Schwachheit, ohne dass ich mit ihm leide?[25]

Solidarität besteht auch „aus einfachen alltäglichen Gesten, die die Logik der Gewalt, der Ausnutzung, des Egoismus durchbrechen. Indessen ist die Welt des wütenden Konsums zugleich die Welt, in der das Leben in all seinen Formen schlecht behandelt wird“[26].

In früherer Zeit war es in vielen Familien üblich, Brot, das auf den Boden gefallen war, zu küssen. Auf diese Weise gab man ein Zeichen der Anerkennung der Arbeit, die nötig war zur Erzeugung dieses Nahrungsmittels, und man dankte dafür, zu essen zu haben. Hungrige speisenbeinhaltet auch, zu essen, was auf den Tisch kommt, uns launenhafte Wünsche diesbezüglich zu versagen, Speisereste kreativ zu verwerten. Dürstenden zu trinken geben könnte uns dazu führen, unnötigen Verbrauch von Wasser, das an vielenOrten sehr knapp ist[27], zu vermeiden. Nackte bekleiden heißt auch, die Kleidung pflegen, sie in der Familie, unter Geschwistern, weiterzuverwenden, nicht immer den letzten Schrei der Mode haben zu wollen etc.

Diese kleinen – oder auch nicht so kleinen – Verzichte können uns ermöglichen, Spenden zu geben, um Bedürftigen eine Freude zu machen, wie der hl. Josefmaria die Jungen des hl. Rafael lehrte, oder in humanitären Notsituationen Abhilfe zu schaffen. Vor einigen Monaten sagte uns der Papst: „Wenn das Jubeljahr nicht bis zum Geldbeutel gelangt, dann ist es kein echtes Jubeljahr.“[28]

Gastfreundschaft: den Schwachen nicht allein lassen

Vor allem mit ihrem Beispiel können Eltern ihren Kindern beibringen, so zu leben (…), dass sie ihren Egoismus überwinden lernen und einen Teil ihrer Zeit großzügig denen widmen, die es schwerer haben als sie und dass sie lernen, in einer ihrem Alter entsprechenden Betätigungmenschlich und übernatürlich für die anderen da zu sein[29].

Da die Liebe einer Rangordnung folgt – denn es wäre falsch, wenn man sich sehr um Fremde kümmern, die Nahestehenden aber vernachlässigen würde -, beginnt die Überwindung des Egoismus normalerweise im eigenen Zuhause. Wir alle, ob jung oder alt, müssen lernen, die kleinen täglichen Nöte der anderen, die mit uns zusammen leben, wahrzunehmen. Ganz besonders wichtig ist es, die Familienmitglieder und Freunde, die krank sind, nicht allein zu lassen. Es genügt nicht, ihre Leiden als einen Unfall anzusehen, zu dessen Behebung man bloß technische Lösungen finden müsste. „Verwirf mich nicht, wenn ich alt bin, verlass mich nicht, wenn meine Kräfte schwinden (Ps. 71, 9). Das ist der Ruf des alten Menschen, der fürchtet, vergessen und verschmäht zu werden“[30]. Die großen Fortschritte der Wissenschaft erleichtern die Lebensbedingungen der Kranken, aber keiner von ihnen vermag die menschliche Nähe dessen zu ersetzen, der im Kranken keine Last sieht, sondern Christus, der vorübergeht, Christus, der unsere Liebe braucht. Die Kranken sind wirklich Er[31], schrieb der hl. Josefmaria in seiner Kühnheit, die den fordernden Ruf des Herrn wiedergibt: Wahrlich, ich sage euch…, das habt ihr mir getan[32].

Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?[33]. Manchmal kann es schwerfallen, Gott in dem Menschenzu sehen, der leidet, weil dieser missgestimmt oder enttäuscht ist oder weil er fordernd oder egoistisch wirkt. Aber der Kranke verdient unsere Liebe gerade wegen seiner Schwäche. Ein Schimmer des Übernatürlichen erhellt die Züge des Kranken, er ähnelt dem leidenden Christus, der so sehr entstellt ist: Er hatte keine schöne und edle Gestalt, sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm[34].

Die Pflege kranker, alter oder sterbender Menschen verlangt ein hohes Maß an Geduld und Großzügigkeit mit der Zeit, besonders wenn die Krankheit langwierig ist. Der barmherzige Samariter „hatte auch Verpflichtungen und Dinge, die er erledigen musste“[35]. Aber denen, die – wie er – sich nicht kaltherzig aus der Verantwortung ziehen und die Schwachen, die nicht mehr zu viel nütze sind, beiseiteschieben, sagt der Herr: Selig seid ihr, wenn ihr das wisst und danach handelt[36]. Denen, die sich um die Schwachen gekümmert haben, schenkt Gott seine ganze Zärtlichkeit: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid[37].

„Das Maß der Humanität bestimmt sich ganz wesentlich im Verhältnis zum Leid und zum Leidenden. Das gilt für den Einzelnen wie für die Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die die Leidenden nicht annehmen und nicht im Mit-leiden helfen kann, Leid auch von innen zu teilen und zu tragen, ist eine grausame und inhumane Gesellschaft“[38]. Insofern gibt uns der Umgang mit Kranken die Menschlichkeit zurück, die wir dem hektischen Rhythmus des Alltags entgegensetzen müssen. Sie erinnern uns nämlich daran, dass Menschen wichtiger sind als Sachen, das Leben wichtiger als störungsfreies Funktionieren.

Es gibt Menschen, die einen Großteil ihrer Zeit Kranken oder anderen Leidenden widmen, ohne Anerkennung dafür zu erwarten, weil Gott sie zu dieser Aufgabe ruft oder weil sie sich dafür entschieden haben. Auch wenn sie nicht in Reiseführern auftauchen, sind sie echter Teil unseres Weltkulturerbes, denn sie lehren uns, dass wir auf Erden sind, um uns um andere zu kümmern[39]. Das ist der zeitlose Sinn der Gastfreundschaft, der Annahme des anderen.

Selten wird es vorkommen, dass wir einen Verstorbenen bestatten müssen, aber wir können ihn und seine Familie auf seinem letzten Weg begleiten. Die Teilnahme an einem Begräbnis ist immer mehr als eine soziale Verpflichtung. Wenn wir der Sache auf den Grund gehen, erkennen wir, dass es eine echt menschliche Geste ist, die den Blick auf die Ewigkeit richtet. „Und auch hier schenkt die Barmherzigkeit dem, der geht, und dem, der bleibt, Frieden, da sie uns spüren lässt, dass Gott größer ist als der Tod und dass, wenn wir in ihm bleiben, auch der letzte Abschied ein »Auf Wiedersehen« ist…“[40].

Kreativität: nutzen, was da ist

Familien, die vor dem Krieg flüchten und ihr Land verlassen, Menschen ohne Arbeit, „Gefangene in neuen Formen der Sklaverei der modernen Gesellschaft“[41] z.B. in Drogen oder Spielsucht, im Hedonismus… Es gibt viele materielle Nöte in unserem Umfeld. Man weiß kaum, wo man anfangen soll. Aber die Erfahrung zeigt, dass viele kleine Initiativen, die darauf ausgerichtet sind, einer Notsituation in unserer nächsten Umgebung abzuhelfen, am Ende viel Gutes bewirken. Man beginnt mit dem, was man hat und was man kann für den, der darum bittet; oftmals mehr mit gutem Willen und Kreativität als mit viel Zeit, Geld oder Unterstützung von öffentlichen Stellen. Barmherzigkeit findet Erbarmen[42], sie steckt an. Es erfüllt sich das Gleichnis vom Senfkorn: Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten[43].

Die Bedürfnisse jedes Ortes und die Möglichkeiten des Einzelnen sind sehr unterschiedlich. Am besten ist es, zu tun, was in Reichweite liegt und zu arbeiten beginnen. Manchmal öffnen sich, schneller als man dachte, Türen, die verschlossen schienen. Und dann kommt man zu den in Süchten Gefangenen, den Abhängigen, die verlassen sind und wie Abschaum einer Welt, die sie ausgestoßen hat, als sie auf Abwege gerieten.

Es gibt Leute, die überfrachtet sind mit Arbeit und die keine Möglichkeit sehen, sich solchen Aufgaben zu widmen, und doch plötzlich entdecken, wie sie einen Teil ihrer Zeit anderen widmen können, um sie aus ihrem sinnlos scheinenden Leben herauszuholen. Synergie-Effekte entstehen: Jemand hat nur wenig Zeit, dafür aber Wissen und Beziehungen…Ein anderer, der weniger gut organisieren kann, setzt seine Arbeitskraft ein. Pensionierten eröffnet sich das Panorama einer zweiten Jugend, weil sie die Möglichkeit haben, viel von ihrer Lebenserfahrung weiterzugeben. „Alle Menschen können, unabhängig von ihrem Bildungsgrad oder ihrer finanziellen Situation, einen Beitrag leisten zum Aufbau einer gerechteren, brüderlicheren Gesellschaft. Ich glaube, dass jeder viel lernen kann von der Großzügigkeit und Solidarität der einfachsten Leute, die mit ihrer volkstümlichen Weisheit, die unsere Welt so sehr braucht, es verstehen, ‚die Suppe mit etwas Wasser zu verlängern’.“[44]

In Erinnerung an seine ersten Jahre als Priester in Madrid erzählte unser Vater, wie er zu den Obdachlosen ging, um Tränen zu trocknen und denen zu helfen, die Hilfe benötigten, die Kinder, die Alten und Kranken liebevoll zu behandeln; und das wurde oft auch von Herzen erwidert…, gelegentlich flogen mir auch Steine nach[45]. Und er dachte dabei an die heutigen Initiativen, die zusammen mit denen so vieler Christen und anderer Menschen eine Wirklichkeit an vielen Orten dieser Welt darstellen und die weiter wachsen müssen quasi fluvium pacis, wie ein Strom des Friedens[46]. Heute ist das für mich wie ein Traum, ein wunderbarer Traum, was ich in vielen Vorstadtvierteln großer Städte erlebe, wo wir die Leute herzlich behandeln und ihnen in die Augen sehen, mit ihnen von Du zu Du sprechen, denn wir sind ja alle gleich.[47]

Carlos Ayxelá


[1] Vgl. Gen 2, 7; Weish 7, 1.

[2] Papst Franziskus, Homilie in Santa Marta, 12.11.13.

[3] 2. Vatikan. Konzil, Pastoralkonst. Gaudium et spes (7.12.1965), Nr.22.

[4] Vgl. 1 Joh 3, 1.

[5] Papst Franziskus, Bulle Misericordiae Vultus (11.4.2015), Nr. 9.

[6] Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 98.

[7] Vgl. Mt 25, 36-44.

[8] Mt 25, 40.

[9] 2. Vatikan. Konzil, Gaudium et spes, Nr. 22.

[10] Joh 15, 13.

[11] Papst Franziskus, Apostol. Schreiben Evangelii gaudium (24.11.2013), Nr. 6; vgl. hl. Joh. Paul II., Enz. Redemptor hominis (4.3.1979), Nr. 9.

[12] Vgl. Mt 25, 35-36.

[13] Lk 6, 36.

[14] Papst Franziskus, Angelus, 13.3.2016.

[15] Hl. Josefmaria, Christus begegnen, Nr. 146.

[16] Brief 14.2.1950, Nr. 2; zitiert in Burkhart, E.; Lopez, J. Alltag und Heiligkeit in der Lehre des hl. Josefmaria, 2, Adamas, Köln, 2016, S. 318.

[17] 1 Kor 6, 19.

[18] Vgl. z.B. sel. Paul VI., Botschaft an die Generalversammlung der Vereinten Nationen, 24.5.1978; hl. Joh. Paul II., Enz. Dives in misericordia (30.11.1980), 4, 12; Benedikt XVI., Botschaft zum 41. Weltfriedenstag, 8.12.2007.

[19] Hebr 13, 1-3.

[20] 1 Joh 3, 20.

[21] Römisches Messbuch, Eucharistisches Hochgebet III.

[22] Papst Franziskus, Ansprache, 28.11.2014.

[23] Papst Franziskus, Evangelii gaudium, Nr. 279.

[24] 2 Kor 11, 28.

[25] 2 Kor 11, 29.

[26] Papst Franziskus, Enz. Laudatus sí (24.5.2015), Nr. 230.

[27] Vgl. ebd., Nr. 27-31.

[28] Papst Franziskus, Audienz, 10.02.2016.

[29] Hl. Josefmaria, Gespräche, Nr. 111.

[30] Papst Franziskus, Apost. Schreiben Amoris laetitia (19.3.2016), Nr. 191.

[31] Hl. Josefmaria, Der Weg, Nr. 419.

[32] Mt 25, 40.

[33] Ebd.

[34] Jes 53, 2.

[35] Papst Franziskus, Audienz, 27.04.2016.

[36] Joh 13, 17.

[37] Mt 25, 34.

[38] Benedikt XVI., Enz. Spe salvi (30.11.2007), Nr. 38.

[39] Vgl. Papst Franziskus, Evangelii gaudium, Nr. 209.

[40] Papst Franziskus, Audienz, 10.9.2014.

[41] Papst Franziskus, Bulle Misericordiae Vultus, Nr. 16.

[42] Vg. Mt 5, 7.

[43] Mt 13, 32.

[44] Papst Franziskus, Videobotschaft, 1.1.2015.

[45] Hl. Josefmaria, Notizen aus einem Beisammensein, 1.10.1967 (zit. in S. Bernal, Mons. Escrivá de Balaguer. Aufzeichnungen über den Gründer desOpus Dei; Adamas 1976, S. 181.

[46] Jes 66, 12 (Vg).

[47] Hl.Josefmaria, Notizen aus einem Beisammensein, 1.10.1967 (zit. in S. Bernal, Mons. Escrivá de Balaguer. Aufzeichnungen über den Gründer desOpus Dei; Adamas 1976, S. 181.