Tag der offenen Türen in der „Tschudiwiese“

Fast zwei Jahre nach der Inbetriebnahme der neu gebauten Tschudiweise im Juli 2007 wurde die Bevölkerung letzten Sonntag eingeladen, sich das Tagungshaus aus der Nähe und von innen anzuschauen.

Der Flumser Architekt Franz Wildhaber brachte es auf den Punkt: "Die neu errichtete Tschudiweise ist eine Oase der Ruhe und des Friedens - dies scheint mir im Opus Dei ganz wichtig zu sein. Meines Erachtens konnte die Architektur hierzu einen optimalen Beitrag leisten." Da das Tagungshaus ausserhalb der Bauzone liegt, hat die Bauherrschaft mit einer Erweiterung von höchstens 30% gegenüber dem ursprünglichen Haus aus jedem Quadratmeter das Maximum herausgeholt. Die rustikalen und schlichten Zimmer und der grandiose Ausblick auf die Churfristen stiessen bei Gross und Klein auf Begeisterung.

Fast zwei Jahre nach der Inbetriebnahme der neu gebauten Tschudiweise im Juli 2007 wurde die Bevölkerung letzten Sonntag eingeladen, sich das Tagungshaus aus der Nähe und von innen anzuschauen. Den ganzen Nachmittag war ein Kommen und Gehen; bei Kaffee und Kuchen erzählte man sich Geschichten aus alten Zeiten, so etwa als Wladimir Iljitsch Lenin 1916 im Tagungshaus kurte und die Übernachtung noch 5.50 Fr. kostete, oder wie das Haus mit Maultiertransporten versorgt wurde.

Förderung von menschlichen und christlichen Grundwerten

Mit der Aufhebung des Hotelbetriebs im Jahre 1974 verkaufte Robert Wildhaber das Haus an die Limmat-Stiftung, die es dann später der Kulturgemeinschaft Arbor weitergab, einem gemeinnützigen Verein für die Bildung vorab jugendlicher Menschen. Gemäss Vorstandsmitglied André Meier will "die Tschudiwiese" angesichts ihrer Lage im Herzen Europas einen Beitrag leisten für die Belebung der abendländischen Grundwerte, die für die Zukunft unserer Gesellschaft von zentraler Bedeutung sind. Zu diesem Zweck finden im Haus nebst Sport- und Wanderlagern insbesondere Bildungstagungen und Seminare zu Fragen des Berufs, der Kultur und der Familie statt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in der Vertiefung des christlichen Glaubens in Form von Besinnungstagen, Philosophie- und Theologiekursen. Jährlich finden drei bis fünf mehrwöchige Weiterbildungskurse und bis zu 30 kürzere Seminare und Besinnungstage statt.

Das neue Haus sieht dem alten ähnlich

Doch zurück zum Neubau: Im heutigen Raumplanungsgesetz steht, dass die Identität eines Hauses bei einem Ersatzbau gewahrt bleiben muss. Franz Wildhaber sprach mit Leuten, die nicht einmal bemerkt hatten, dass die Tschudiwiese von Grund auf neu errichtet worden war. Ob es mit der roten Farbe zu tun hat? Bauleiterin Luzia Hermann wies auf die Harmonie des Fassadenbildes hin: "Wir haben es mit zwei verschiedenen Rottönen zu tun, deren Eternitfelder je eine andere Gliederung aufweisen. Dieses Bild verleiht dem Haus einen speziellen Charakter."

Für die Bauherrin war die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten eindrücklich: "Wenn es ein Problem gab, hat man sofort Stellung genommen, die Verantwortlichen waren für jede Idee zu haben." Maurerpolier Hanspeter Mannhart arbeitete von Mai bis November 2006 am Bau. Er schätzte es, dass von A bis Z mit der Firma Rio Hermann zusammengearbeitet wurde und dass er praktisch alle Leute kannte, die da ein und aus gingen. Das sei eher selten.

In optimal ruhiger Lage 

Das Haus mitten im Grünen umfasst 19 Einzelzimmer mit Nasszellen, ein Mehrbettenzimmer,  eine Priesterwohnung, mehrere Seminarräume, eine Küche mit Office und Esszimmer, eine Hauskapelle, eine geräumige Stube mit Terrasse und ein Studierzimmer sowie drei Personalzimmer. Dazu kommen die üblichen Infrastrukturräume sowie Garage und Unterstände. Gemäss Architekt Franz Wildhaber wurde besonders darauf geachtet, die Aktivitäten im Haus nicht durch Lärm von aussen zu stören. "Die Hauskapelle steht in einer absolut ruhigen Ecke und die Zimmer haben bewusst keinen Fernseher. Die friedliche Stille - dies scheint mir für die Kurse und Besinnungstage in der Tschudiwiese ein zentraler Faktor zu sein."

V.l.n.r. Erwachsene: Dr. theol. Andreas Wildhaber, Cornelia und Hanspeter Mannhart, Köbi Züst, Beat und Regula Häberli.

Beat und Regula Häberli sind die neuen Betriebsleiter der Tschudiwiese. Sie wohnen seit zwei Monaten mit ihren drei Kindern im geschichtsträchtigen Alemannenhaus in Flums. Beat ist Zimmermann, Regula ursprünglich Krankenschwester. 4 Fragen an die neue Betriebsleitung:

Herr und Frau Häberli, was hat Sie an dieser neuen Aufgabe fasziniert?

Beat: Das selbständige Arbeiten und Organisieren gefällt uns; ich arbeite hier zwar nur 20%, mein Hauptjob ist bei Holz- und Treppenbau Landquart. Regula: Ich suchte eine neue Herausforderung. Bezüglich meiner persönlichen Weiterentwicklung habe ich dem Opus Dei vieles zu verdanken und gebe diesen Dank nun gerne zurück.

Welches sind die grossen Herausforderungen in dieser neuen Aufgabe?

Alles unter einen Hut zu bringen: Familie und Arbeit - frisches Arbeitsfeld, eine zu ergründende Umgebung, neue Schule für unsere Kinder, Umbau des Alemannenhauses – da muss man gut jonglieren können…

Wie finden Sie den Kontakt zur Flumser Bevölkerung?

Bis jetzt haben wir nur positive Erfahrungen gemacht, wir fühlen uns hier wohl - auch die Kinder. Sie haben bereits Worte aus dem Flumser Dialekt aufgeschnappt wie ufi und abi... Spaziergänger bleiben manchmal an unserem Haus stehen und kommen mit uns ins Gespräch; das Haus lebt wieder. Im Frauenturnverein finde ich (Regula) Anschluss zu den Flumser Frauen.

Kann die Bevölkerung an den religiösen Weiterbildungen teilnehmen, die in der Tschudiwiese stattfinden?

Ja, viele Kurse stehen allen Interessierten offen, für genauere Informationen könnte man sich an uns wenden (Tel. 081 599 35 61).

Für die christliche Orientierung der Tschudiwiese …

Das Opus Dei will überall bekannt machen, dass die Arbeit und alle gewöhnlichen Lebensumstände in Familie, Beruf und Gesellschaftsleben Gelegenheiten sind, Gott und den anderen Menschen einen Dienst zu erweisen.

zeichnet das Opus Dei verantwortlich, das 1928 vom heiligen Josefmaria Escrivá gegründet wurde. Das Opus Dei will überall bekannt machen, dass die Arbeit und alle gewöhnlichen Lebensumstände in Familie, Beruf und Gesellschaftsleben Gelegenheiten sind, Gott und den anderen Menschen einen Dienst zu erweisen. Kirchenrechtlich ist das Opus Dei eine so genannte Personalprälatur. Es ist in der ganzen Welt verbreitet; an seiner Spitze steht derzeit Bischof Javier Echevarría, der seinen Sitz in Rom hat. Weltweit gehören dem Opus Dei rund 88.000 Frauen und Männer an. 98 % davon sind gewöhnliche Katholiken, 2 % sind Priester. Hinzu kommen zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, oft auch Nichtkatholiken. In der Schweiz sind es derzeit etwa 210 Mitglieder, davon ein Dutzend Priester. Einer von ihnen ist der Flumser Dr. Andreas Wildhaber, der zuerst Elektroingenieur bei Siemens in Zürich war und dann 1995 die Priesterweihe empfing.