"Ich begegnete Gott in einem Bettler in der U-Bahn"

Eine zufällige Begegnung mit einem Bettler in der Münchener U-Bahn brachte einen italienischen Chirurgen dazu, sein bisheriges Leben zu ändern und christlich auszurichten. Den gleichen Gefallen, den der Arzt dem Bettler verweigerte, gewährte ihm wenige Minuten später eine ihm unbekannte Person. Darin sah er einen Wink des Himmels, sich zu bekehren.

Persönliche Zeugnisse
Opus Dei - "Ich begegnete Gott in einem Bettler in der U-Bahn"

„Ich möchte berichten, wie ich Jesus in der Person eines Bettlers begegnet bin. Mein Name ist Giampiero. Ich arbeite in einem Krankenhaus in Deutschland und bin einer der vielen Italiener, die auf der Suche nach einer Arbeitsstelle aus ihrer Heimat nach Deutschland ausgewandert sind.
Es war zunächst nicht einfach, sich mit der deutschen Kultur anzufreunden: Eine andere Sprache zu erlernen, in einer winzigen Wohnung zu leben, den Kontakt zu Freunden aus der Kindheit zu verlieren und nicht mehr mitzubekommen, wie die eigenen Eltern älter werden. Das sind Opfer, die bei der Auswanderung in ein anderes Land gebracht werden. Es war nicht einfach, so viele Menschen, die mir lieb sind, zurückzulassen ebenso wie die Orte und sogar die Gerüche meiner Kindheit, die ich in Neapel verbracht habe.
Nach fünf Jahren bin ich glücklich – trotz aller Schwierigkeiten -, mit meiner Frau und meinen Kindern in Deutschland zu leben. Meine Familie gibt mir den Mut und die Kraft weiterzumachen. Außerdem habe ich hier in Deutschland Gott gefunden. Wie das passiert ist?

Einen Bettler in der U-Bahn wies ich ab

Nachdem ich eines Tages an einem Chirurgen-Kongress in München teilgenommen hatte, nahm ich die U-Bahn zum Flughafen. Eine Haltestelle vor der Endstation stolperte ein schlecht gekleideter Bettler durch das Abteil und blieb neben mir stehen. Er sah mich aufmerksam an und fragte, ob ich ihm mein U-Bahnticket geben könnte, das ich benutzt hatte. Er wollte damit die Reise fortsetzen. Aber ich fühlte mich unwohl angesichts seiner Bitte und lehnte ab. Ohne sich zu beschweren, ging er weg. Als ich das Abteil verließ, fand ich ihn am Fuß der Treppe wieder, die nach oben führte. Er wiederholte seine Bitte, und ich weigerte mich erneut, obwohl ich für dieses Ticket überhaupt keine Verwendung mehr hatte.
Später – während ich mit einigen Kollegen plauderte – merkte ich plötzlich, dass mein Handy verschwunden war. Sofort stand mir der Bettler vor Augen. Ich meldete den Verlust sogleich dem Sicherheitsdienst und ging zum Fundbüro – ohne Erfolg.
Mit dem Handy eines Freundes schickte ich eine Nachricht an mein eigenes Telefon, in der Hoffnung, dass derjenige, der es hatte, mich kontaktieren würde. Ich war verzweifelt. Auf dem Telefon waren Erinnerungen und alle Kontakte aus Deutschland gespeichert. Ich rief erneut an - und endlich antwortete eine freundliche Stimme. Jemand hatte das Gerät auf dem U-Bahn-Sitz gefunden, und er sagte mir, ich könnte ihn drei Haltestellen weiter treffen.
Eine unbekannte Person nahm sich meiner an

Obwohl ich riskierte, meinen Flug nach Hause zu verpassen, ging ich zu der unbekannten Person, die geantwortet hatte. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen gut gekleideten jungen Mann handelte, der mich sofort am besorgten Gesichtsausdruck erkannte. Ich wollte ihm etwas Geld als Finderlohn geben, aber er lehnte ab. Im Gegenteil – er machte mir noch ein Angebot und sagte: "Hier, nehmen Sie mein U-Bahn-Ticket für die Rückfahrt zum Flughafen. Ich brauche es nicht mehr." Mein Herz erstarrte bei seinen Worten. Ich war beschämt, weil ich erkannte, wie herzlos ich dem Bettler gegenüber war, dem ich in Not genau diese Hilfe verweigert hatte. Ich hatte mich arrogant und egoistisch verhalten. Die Gelegenheit, jemandem zu helfen, der weniger Glück hatte als ich, hatte ich verpasst und mir auch das Gefühl eingehandelt, ihn schlecht behandelt zu haben. Und jetzt hat diese unbekannte Person mir in gleicher Angelegenheit geholfen. Ich war unserem Herrn Jesus als Bettler begegnet und war nicht bereit gewesen, ihm zu dienen.
In anderen Situationen hatte ich Menschen in Not meine Hilfe angeboten, aber an diesem Tag war ich nicht dazu in der Lage. All das ließ mich nachdenken. Mein Mangel an Mitgefühl führte in den Tagen danach zu der Entscheidung, mehr für unseren Herrn Jesus zu tun. Einige Tage später, als ich für ein paar Tage in Neapel war, schrieb ich eine E-Mail an die Kontaktadresse auf der Website des Opus Dei in Italien.

Gianpiero

Ein immenses Panorama der Christusnachfolge tat sich auf

Ein Mitarbeiter des Opus Dei kontaktierte mich und lud mich zu einem Abend in das Bildungshaus von Monterone ein. Das Treffen dauerte nur ein paar Stunden, aber ich konnte dort die Atmosphäre der Ruhe und des Friedens spüren. In mir entstand der Wunsch, das Glück zu teilen, das ich in den Augen der Menschen dort sah.
Als ich nach Deutschland zurückkehrte, ging ich weiter zu den Bildungsangeboten, die vom Opus Dei organisiert werden. Ich lernte, Gott meine Arbeit anzubieten, anderen bei meinen gewöhnlichen Aktivitäten zu dienen und Bedürftigen ein Wort des Trostes und der Unterstützung zu geben. Im Zentrum des Opus Dei in Berlin traf ich den Geistlichen Dr. Wolfgang Weber, und wir kamen überein, dass wir uns weiter treffen – später sogar bei Bildungsveranstaltungen in Hamburg, wo ich jetzt lebe.
Seitdem sind zwei Jahre vergangen und mein Leben hat sich verändert. Ich habe sogar gelernt, in einer anderen Sprache zu beten. Ich dachte, das wäre unmöglich, aber selbst dies ist mir gelungen. In den tausend Schwierigkeiten jeden Tages, in der anspruchsvollen Arbeit eines Chirurgen, im Familienleben voll freudiger und schwieriger Momente. Ich danke Gott, dass er für mich diesen Weg gefunden hat. Und er hilft mir sogar, jeden Tag die Zeit zu finden, die ich für das Gebet brauche, um gemeinsam allen Herausforderungen gewachsen zu sein. Ich möchte einfach ein guter Christ sein, der seinen Kindern die Liebe Gottes vermitteln kann. Ich habe durch diesen Bettler und in meinem Inneren Gott gefunden, und ich möchte ihn jeden Tag mehr lieben.“