Don Alvaro wird am 27. September selig gesprochen

Der erste Nachfolger des Opus Dei Gründers war aktiv am Konzil beteiligt.

Pressemitteilungen

Köln. Don Alvaro (1914 - 1994) wird am Samstag (27. September) in seiner Heimatstadt Madrid selig gesprochen. Bischof Alvaro del Portillo war der Nachfolger von Sankt Josefmaria Escrivá, dem Gründer des Opus Dei. Er führte von Rom aus fast 20 Jahre die erste internationale Personalprälatur der katholischen Kirche.

Die Messe in Madrid feiert Kardinal Angelo Amato, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen. Mehr als 100.000 Pilger aus 80 Ländern werden erwartet. Darunter sind 600 Deutsche.

Die Feierlichkeiten werden in Rom fortgesetzt. Pilger aus ganz Europa kommen zu Dankmessen am 30.9.14 in die Lateranbasilika und in Santa Maria Maggiore. Papst Franziskus wird die Pilger am 1.10.14 in der Generalaudienz begrüßen.

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx schreibt in einem Grußwort: „Ganz im Sinne des II. Vatikanischen Konzils setzt das Opus Dei auf die Laien und ihre Berufung zur Heiligung der täglichen Arbeit, in der Familie und als Bürger in der säkularen Gesellschaft. Das Zeugnis dieser Frauen und Männern zu stärken, die den Glauben in kleinen privaten wie in großen gesellschaftlichen Bezügen weitergeben, war stets das Anliegen von Don Alvaro. Sie geben dem Evangelium bis heute ein sympathisches Gesicht.“

Alvaro del Portillo

Alvaro del Portillo wurde 1914 geboren. Als Ingenieurstudent lernte er den Gründer des Opus Dei kennen und war fasziniert vom Ideal der christlichen Berufung im Berufsalltag. 1944 wurde er zum Priester geweiht und war über 40 Jahre lang der engste Mitarbeiter des Heiligen Josefmaria Escrivá. Nach dessen Tod 1975 wurde er sein erster Nachfolger und 1982 erster Prälat der damals vom Heiligen Stuhl neu errichteten Personalprälatur Opus Dei. In seiner Zeit verbreitete sich das Opus Dei weltweit in 20 neuen Ländern. Don Alvaro trieb zahlreiche soziale Initiativen voran.

Mitarbeit beim Konzil

Am Zweiten Vatikanischen Konzil nahm er aktiv teil. Johannes XXIII. ernannte ihn zum Konsultor der Konzilskongregation (1959-1966). In den Vorbereitungsphasen des Zweiten Vatikanums war er Vorsitzender der Kommission für die Laien. Während des Konzils arbeitete er als Sekretär der Kommission für die Disziplin des Klerus und des christlichen Volkes. Im Anschluss an die Kirchenversammlung ernannte ihn Paul VI. 1966 zum Konsultor der postkonziliaren Kommission für die Bischöfe und die Leitung der Diözesen. Außerdem war er viele Jahre Konsultor der Kongregation für die Glaubenslehre.

Alvaro del Portillo war Zeit seines Lebens eng mit dem heiligen Josemaría verbunden und stets an seiner Seite, so auch als Escrivá am 26. Juni 1975 verstarb. Er war der engste Mitarbeiter des Gründers in allen Bereichen der Evangelisierung und der pastoralen Leitung. Gemeinsam unternahmen sie Reisen in viele Länder, um dort die verschiedenen Apostolate des Opus Dei vorzubereiten und zu lenken. Der irische Augustiner John O’Connor schrieb in einem Nachruf: „Als ich merkte, wie liebenswürdig und diskret er sich an der Seite der dynamischen Gestalt von Prälat Escrivá verhielt, kam mir die Bescheidenheit des heiligen Joseph in den Sinn.“

An der Spitze des Opus Dei

Am 15. September 1975 wählte der eigens einberufene Generalkongress Alvaro del Portillo zum Nachfolger des Gründers an die Spitze des Opus Dei. Als Papst Johannes Paul II. am 28. November 1982 das Opus Dei als Personalprälatur errichtete, bestellte er del Portillo zugleich zum Prälaten der neuen Prälatur. Am 7. Dezember 1990 ernannte der Papst ihn zum Bischof und erteilte ihm am 6. Januar 1991 im Petersdom die Bischofsweihe.

In seiner Zeit als Prälat des Opus Dei ist Alvaro del Portillo oft in Deutschland gewesen und leitete die Arbeit des Opus Dei in zwanzig neuen Ländern ein. Seine Pastoralreisen führten ihn in alle fünf Kontinente. Dabei bezeugte er mit seiner einnehmenden und überzeugenden Art die Botschaft des heiligen Josefmaria von der Heiligkeit im gewöhnlichen Leben.
Motor vieler Sozial- und Bildungseinrichtungen

Außerdem setzte Bischof Alvaro del Portillo zahlreiche Sozial- und Bildungseinrichtungen in Gang. So haben unter seinem direkten Antrieb Mitglieder des Opus Dei in Zusammenarbeit mit anderen Männern und Frauen Sozialwerke in verschiedenen Ländern der Dritten Welt errichtet, darunter das Centre Hospitalier Monkole in Kinshasa (Kongo), das Center for Industrial Technology and Enterprise in Cebú (Philippinen) und die Niger Foundation in Enugu (Nigeria).


Als Priester macht man nicht Karriere

Weitere neue Einrichtungen zeigen die Sorge von Bischof del Portillo für die Sendung des Priesters in der heutigen Welt. Hier sind besonders zu nennen die 1985 gegründete Päpstliche Universität vom Heiligen Kreuz und ab 1990 gleichfalls in Rom das internationale Seminar Sedes Sapientiae sowie das Colegio Eclesiástico Bidasoa in Pamplona (Spanien). In diesen drei Zentren haben inzwischen Bischöfe aus aller Welt Tausende von Priesteramtskandidaten für den Dienst in ihren Diözesen ausbilden lassen. Wie schon zu Zeiten des Zweiten Vatikanischen Konzils widmete Del Portillo einen Großteil seiner Energien der Bildung von Priestern. Im Jahre 1986 schrieb er: „Als Priester macht man nicht Karriere, sondern gibt sich großzügig und restlos hin - ohne Berechnung und ohne Beschränkung. So kann man ein Sämann des Friedens und der Freude werden und denen die Pforten zum Himmel öffnen, für die dieses Dienstamt bestimmt ist.“

Bischof Alvaro del Portillo verstarb früh am Morgen des 23. März 1994, wenige Stunden nachdem er von einer Wallfahrt ins Heilige Land nach Rom zurückgekehrt war. Seine letzte Heilige Messe hatte er tags zuvor in der Kirche beim Abendmahlssaal in Jerusalem gefeiert.

Die Sender EWTN und K-TV übertragen die Feiern in Madrid live mit deutschem Kommentar und über livestream, Samstag ab 12 Uhr

www.alvarodelportillo.org

www.alvaro14.org

Don Alvaro im Original

Sich verlieben

„Um von Gott zu sprechen, um bekannt zu machen, dass „sich die göttlichen Wege der Erde aufgetan haben“, braucht man keine Kühnheit: Es reicht die Natürlichkeit der Liebe. Verlieben wir uns in Gott, wie unser heiliger Gründer verliebt war – verliebt ist, dann werden wir all unseren Gesprächen einen apostolischen Sinn verleihen, so einfach und spontan wie unser Vater sprach. Jeder einzelne von euch wird dies nach den Umständen seines Standes, seiner Lebensweise, seines Alters tun, aber alle mit priesterlicher Seele, alle mit Worten voller Feuer, übernatürlich und klar, ohne sich zu schämen, Gott unsere Liebe und unser Alles zu bekennen.

(In einem Brief an die Angehörigen der Prälatur, 24. September 1984)

Es ist leicht, Gott zu suchen

„Es ist leicht, den Dialog mit Gott zu suchen. Der Gründer des Opus Dei hat uns gelehrt, ihn in der täglichen Arbeit zu finden, inmitten jeder ehrenwerten Beschäftigung, die man vollkommen zu verrichten sucht. Es gibt edle natürliche Gründe, um gute Arbeit zu leisten: die Gründe eines Vaters, der an den Unterhalt der Familie denkt, die Gründe einer Mutter, die den Haushalt führt und will, dass der Mann und die Kinder sich zu Hause wohl fühlen… Dennoch muss man alledem einen übernatürlichen Grund voranstellen: Die Dinge auf Gott hin tun. Auf diese Weise verwandelt sich die Arbeit in das Opfer Abels, das der Herr gern entgegennimmt, und unser ganzes Leben verwandelt sich in Gebet. So entsteht nicht die törichte, zwiespältige Haltung dessen, der Gott nur eine halbe Stunde in der Woche schenkt – die Sonntagsmesse, sofern man überhaupt zur Messe geht – aber den Rest der Zeit für sich selbst reserviert.“

(Begegnung mit Familien in Mexiko, 1983)

Mit den Flügeln der Liebe

„Meine Töchter und Söhne. Seid optimistisch mit einem übernatürlichen Optimismus, der im Glauben verwurzelt ist, der von der Hoffnung genährt wird und dem die Liebe Flügel verleiht. Wir sollen alle Bereiche der Gesellschaft mit dem christlichen Geist durchtränken. Bleibt nicht bei diesem Wunsch stehen. Jede einzelne, jeder einzelne soll dort, wo er arbeitet, seine Tätigkeit von Gott durchdringen lassen. Mit seinem Gebet, mit seiner Abtötung, mit seiner gut getanen Arbeit soll er sich darum sorgen, sich selbst und andere Menschen in der Wahrheit Christi zu bilden, damit Er als Herr allen menschlichen Tuns verkündet wird.“

(In einem Brief an die Angehörigen der Prälatur, 25. Dezember 1985)

Die Stunde des Schmerzes

„Wenn die Stunde des Schmerzes kommt – Krankheit, Unverständnis, Demütigung, die Last unserer eigenen Fehler, irgendetwas, das mehr als das Gewöhnliche von uns verlangt –, dann begegnet diesen Situationen mit dem Blick festen Glaubens, in dem Wissen, dass Christus uns in ihnen erwartet. Er ist es, der sein Leiden in den Gliedern seines Leibes fortsetzt, um viele zu retten. Und reagiert mit der Überzeugung, dass Maria wie auf Golgota zu dieser Stunde auch an unserer Seite ist, damit wir dieses Opfer für das Heil der Menschen darbringen.“

(In einem Brief an die Angehörigen der Prälatur, 1. September 1988)

Die Messe, Wurzel des inneren Lebens

„Unser ganzes Leben soll Miterlösung sein. Vergiss deshalb nicht, dass Dein Leben seinen miterlösenden Charakter gerade in der Heiligen Messe erhält. Von dort bekommt es seine Kraft und seinen eigentlichen Wert. Darum ist die Messe die Wurzel des inneren Lebens. Wir müssen eng mit dieser Wurzel verbunden sein. Doch das hängt auch von unserem Verhalten ab. Darum ist unsere Hingabe gerade so viel wert wie unsere Messe: Das kann ich Dir in Anlehnung an unseren Vater sagen. Unser Leben ist wirksam – übernatürlich wirksam – in dem Maße der Frömmigkeit, des Glaubens, der Ehrfurcht, mit denen wir das Heilige Opfer auf dem Altar feiern oder mitfeiern. In ihm werden wir eins mit Jesus Christus und mit seinem erlösenden Streben.“

(In einem Brief an die Angehörigen der Prälatur, 1. April 1986)

Dienen

„Dies ist der einzige Wunsch des Opus Dei und eines jeden seiner Mitglieder: Dienen! Gerade weil wir wollen, dass Christus herrscht, sollen wir dort, wo wir sind, der Kirche dienen. Unser Gründer hat es sehr deutlich bekräftigt: ‚Wenn das Werk nicht der Kirche dient, taugt es zu nichts. Denn zum Dienen ist es entstanden, zum Dienen hat Gott es gewollt.‘“

(Aus einer Homilie, 7. Januar 1991)

Bringt dich die Arbeit wirklich Gott nahe?

„Die berufliche Arbeit, die ein wesentlicher Teil unserer göttlichen Berufung ist, muss immer mit der Besserung unseres eigenen geistlichen Lebens und mit dem Apostolat gekoppelt sein. Würde sie diese innige und lebendige Verbindung verlieren, könnten wir sie nicht heiligen. Sie würde aufhören, Teil der göttlichen Berufung zu sein, und sogar ihren vollen menschlichen Sinn verlieren. Schließlich wäre sie eine ungeordnete, allzu menschliche Anhänglichkeit, eine Spielart trauriger Ich-Bezogenheit. Solche Arbeit wäre dann nicht mehr, was Gott uns gelehrt hat, nämlich dein ‚Angelhaken als Menschenfischer‘ (Der Weg, Nr. 372). Am Ende würde sie zu einer verdeckten oder offenkundigen Suche nach uns selbst. Überprüfe also mutig, ob Dich Deine Arbeit wirklich dem Herrn nahebringt. Schau, ohne Dich herauszureden, ob diese Arbeit – Gott gebe, dass es nicht so ist – manchmal auch zu einem Hindernis geworden ist.“

(In einem Brief an die Angehörigen der Prälatur, 1. September 1986)

Gottes Freundschaft neu gewinnen

„Die Sünde ist eine Beleidigung Gottes. Er allein kann sie vergeben. Gott ist so gut, dass er uns als Beleg dafür, dass er es ist, der uns die Vergebung schenkt, ein äußeres Zeichen geben wollte: Es ist Jesus selbst, der durch den Priester die Lossprechung erteilt und einige Ratschläge gibt. Sie Seele wird rein, sie füllt sich mit Freude und Kraft, die von Gott kommenden. Denn nun ist man Gott nahe und entschlossen, Apostel Christi zu werden. Deshalb ist die Beichte das Sakrament der Freude, das Sakrament der Freundschaft mit Gott. Sie ist befreiend. Einem, der mit Sünden beladen ist, mag es schwer fallen, sich dem Sakrament zu nähern. Hat er es aber einmal geschafft, ist es, als wüchsen ihm Flügel. Er ist froh und weiß sich von der Laste der Sünde frei. Meine Kinder, nehmt euch das Apostolat der Beichte sehr zu Herzen.“

(Bei einer Begegnung mit Familien in Abidjan, Elfenbeinküste, 1989)

Säleute des Friedens sein

„Wir müssen Säleute des Friedens und der Freude sein. Christus zu allen Menschen bringen! Christus, der gesagt hat:„Meinen Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ So müssen auch wir den anderen Frieden und Freude bringen – ohne Vorteil für uns. Ohne Lohn für uns selbst, müssen wir ihnen bringen, was wir ohne Lohn von Gott dem Herrn bekommen haben.“

(In Abidjan, Elfenbeinküste, 1989)

Grußwort von Kardinal Marx

Zur bevorstehenden Seligsprechung von Bischof Alvaro del Portillo hat Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, ein Grußwort an Prälat Christoph Bockamp, den Regionalvikar der Prälatur Opus Dei in Deutschland geschrieben. Hier der Wortlaut.

Am 27. September wird Bischof Alvaro del Portillo seliggesprochen. Er hat das Opus Dei nach dem Tod des Gründers Josemaría Escrivá als dessen erster Nachfolger von 1975 bis 1994 geleitet. Ich freue mich, dass an der Seligsprechung in Madrid auch zahlreiche Pilger aus Deutschland teilnehmen werden.

Don Alvaro wurde 1914 in Madrid geboren, er schloss sich dem Opus Dei an und zog 1946 mit dem hl. Josemaría Escrivá nach Rom. Gespräche und Begegnungen mit den Päpsten, besonders mit Johannes Paul II., bestätigten ihn und das Opus Dei in seiner Sendung. 1982 hat Papst Johannes Paul II. Alvaro del Portillo zum Prälaten der neu errichteten Personalprälatur ernannt; 1991 weihte er ihn zum Bischof.

Der neue Selige ist für die Kirche in Deutschland kein Unbekannter. Bereits 1946 kam es zu einem persönlichen Kontakt zwischen Don Alvaro und Kardinal Frings, der 1952 das Opus Dei in das Erzbistum Köln eingeladen hat. Während des Konzils, an dem Don Alvaro in verschiedenen Funktionen mitgewirkt hat, entwickelten sich weitere Kontakte, unter anderem auch zu Kardinal Höffner. Die beiden verband eine lebenslange Freundschaft.

Ganz im Sinne des II. Vatikanischen Konzils setzt das Opus Dei auf die Laien und ihre Berufung zur Heiligung der täglichen Arbeit, in der Familie und als Bürger in der säkularen Gesellschaft. Das Zeugnis dieser Frauen und Männern zu stärken, die den Glauben in kleinen privaten wie in großen gesellschaftlichen Bezügen weitergeben, war stets das Anliegen von Don Alvaro. Sie geben dem Evangelium bis heute ein sympathisches Gesicht.

Nach teils harten Phasen der Kritik und der Anfeindung ist das Opus Dei heute eine profilierte katholische Gemeinschaft mit weltweit 90000 Mitgliedern; circa 600 von ihnen sind in Deutschland tätig. Was Don Alvaro bei seinem Dienst im Opus Dei und in der Kirche bewegt hat, bringt Papst Franziskus 20 Jahre nach dessen Tod so auf den Punkt: „Die Laien sind schlicht die riesige Mehrheit des Gottesvolkes. In ihrem Dienst steht eine Minderheit: die geweihten Amtsträger. Das Bewusstsein der Identität und des Auftrags der Laien in der Kirche ist gewachsen. Wir verfügen über ein zahlenmäßig starkes, wenn auch nicht ausreichendes Laientum mit einem verwurzelten Gemeinschaftsinn und einer großen Treue zum Einsatz in der Nächstenliebe, der Katechese, der Feier des Glaubens.“ (Evangelii gaudium Nr. 102)

Ich danke dem Opus Dei für sein Wirken in der Kirche in Deutschland und wünsche ihm mit dem Beistand des neuen Seligen weiterhin eine segensreiche Entwicklung. Mein Gruß gilt auch den vielen Pilgern am 27. September in Madrid. Lassen Sie sich von dem Vorbild und der Freude des neuen Seligen anstecken und stärken Sie auch weiterhin die Kirche und ihre Sendung!